Schweiz 2010. 4:3, Dolby, Farbe, 108 min.
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Der dritte Film „Ins Unbekannte der Musik“: Die Komponistin Annette Schmucki lässt den Filmautor Urs Graf über zwei Jahre hinweg an ihrem Leben und ihrem musikalischen Schaffen teilhaben – lässt ihn miterleben, wie ein Musikstück entsteht, von den allerersten Ahnungen bis zur Uraufführung. Nach vier Monaten des Arbeitens sagt sie: „Ich wüsste jetzt genau wie weiter, wie man halt so ein Stück zu machen pflegt, aber ich will das nicht; mir ist wichtig, jederzeit meine Wachheit zu bewahren, sodass immer die Chance besteht, dass mir etwas unerwartetes begegnet, etwas das hinaus geht über das, was ich mir vorstellen, was ich denken kann.“ Und später, als das Stück Form anzunehmen beginnt, sagt sie: „Ich wünsche mir für die Aufführung in Zürich, dass diejenigen, die dann beim Zuhören etwas befremdet, etwas irritiert sind, sich ob ihres Staunens, ob ihres eigenen Erstauntseins freuen können.“
www.blablabor.ch
| Regie | Urs Graf |
| Drehbuch | Urs Graf |
| Besetzung | Musik: Collegium Novum Zürich Imke Frank, Martina Schucan (Violoncelli) Matthias Kuhn (Leitung) Neue Vocalsolisten, Stuttgart blablabor |
| Kamera | Urs Graf |
| Ton | Urs Graf |
| Schnitt | Urs Graf, Marlies Graf Dätwyler |
| Musik | Annette Schmucki |
| Mitarbeit | Konzertaufnahmen: Ton: Christian Beusch Bild: Otmar Schmid, Urs Kohler, Ueli Nüesch, Claudia Pfister Regie-Assistenz: Elisabeth Wandler-Deck Ton-Assistenz: Alan Bagge, Gian Caprez |
| Dauer | 108 min. |
| Format | 4:3, Dolby |
| Drehformat | DVCam |
| Versionen | DVD mit deutscher Untertitelung des Schweizerdeutschen |
| Uraufführung | 2010 |
| Verleih Schweiz | LookNow! Bea Cuttat Gasometerstrasse 9, CH-8005 Zürich Tel. +41 44 440 25 44 – Fax +41 44 440 26 52 info@looknow.ch – www.looknow.ch |
| Weltrechte | Filmkollektiv Zürich AG Turnerstrasse 26, CH-8006 Zürich Tel. +41 44 362 46 44 – Fax +41 44 361 32 18 E-mail: fkz@bluewin.ch – Mitteilung senden – www.filmkollektiv.ch |
| Produktion | Filmkollektiv Zürich AG Turnerstrasse 26, CH-8006 Zürich Tel. +41 44 362 46 44 – Fax +41 44 361 32 18 E-mail: fkz@bluewin.ch – Mitteilung senden – www.filmkollektiv.ch |
| ISAN | 0000-0000-DCD6-0000-O |
Presse Uraufführung Solothurner Filmtage 2010
25. Januar 2010, Mittelland Zeitung
(Aargauer Zeitung, Solothurner Zeitung, Limmattaler Zeitung, Basellandschaftliche Zeitung, Grenchner Tagblatt, Langenthaler Tagblatt)
Entstehung eines Musikstücks als Film
Urs Graf hat den dritten Film zum Thema «Ins Unbekannte der Musik» fertiggestellt. „Annette Schmucki: Hagel und Haut“ feiert an den Solothurner Filmtagen seine Uraufführung.
Verena Zimmermann
«Die Musik...ist ja immer in der Zeit, so etwas Lineares. Aber eigentlich interessieren mich Räume. ...ein Klang, der sich ausdehnt und einfach ist. Keine Entwicklung und kein Fortfliessen...»: Die Komponistin Annette Schmucki hat mit der Arbeit an einer neuen Komposition begonnen und skizziert im Gespräch mit dem Filmautor Urs Graf, im Sommer 2007, was ihr vorschwebt und weshalb sie sich in ihrem Atelier zunächst mit grossen, weissen Kokon-ähnlichen Blasen beschäftigt. Es sind mit Seidenpapier beklebte Ballons, federleicht aufeinandergetürmt, mit wenigen Worten beschriftet. «Hagel und Haut» wird das Stück schliesslich heissen, das uraufgeführt wird im Dezember 2008 vom Collegium Novum in Zürich.
Zwei Sommer davor aber ist alles Suchen, Tasten, Entwerfen - die Arbeit mit Wörtern, «um Rhythmus, Struktur und Klanglichkeit anzulocken», die Beschäftigung mit Strukturen eines Hagelkorns, das Festhalten am Ziel, der Musik «eine Dichte und nicht eine Dauer» zu geben. Entschieden bricht die Komponistin zu etwas auf, was sie selbst noch nicht kennt. Dieser Weg interessiert den Filmautor. Urs Graf begibt sich sozusagen mit auf diesen Weg, hört zu und schaut zu, dem Arbeiten, dem Leben, im Atelier, in der Familie, mit dem Partner Christoph Brunner, dem Schlagzeug-Musiker, mit dem kleinen Sohn Basil.
Oft liegen Wochen zwischen den Aufnahmen. Oft spiegeln sich Fortgang oder Stillstand der Arbeit in Briefen, in E-mails. Urs Graf zitiert daraus, Zeit wird spürbar, auch in seinen Bildern vom Alltag im Dorf Cormoret, dem Kanal, dem kleinen Fluss, einer Quelle im Wald, der Berner Jura-Landschaft. Jahreszeiten, wechselnde Farben. Die Montage, ein vielfältiges Geflecht, hat ihre eigene Rhythmik, ihre eigene Musikalität.
Man muss keine musiktheoretischen Kenntnisse mitbringen, um angezogen zu werden von dieser filmischen Recherche und von diesem Suchen der Komponistin nach einer Musik, die über ihr bisheriges Schaffen hinausgeht. Dann, wenn der Film in die Aufführung des Stückes mündet, ist man ganz Ohr. Man hört den Raum, den Klang, «der einfach ist».
«Annette Schmucki: Hagel und Haut» ist der letzte von drei Filmen, mit denen Urs Graf sich dem Entstehen eines Musikstückes annähert. Ein aussergewöhnliches Projekt, über Jahre verfolgt, findet seinen Abschluss. Urs Peter Schneider (2005), Jürg Frey (2007), jetzt Annette Schmucki: Jeder der Filme ist anders geprägt, spiegelt andere Lebenslandschaften, unterschiedliche Temperamente, je eigene Ansatzpunkte. Umso faszinierender, wenn Verwandtes anklingt, ähnliche Auseinandersetzungen geführt werden.
Bieler Tagblatt, 21.1.2010
Raphael Amstutz
Begonnen hat es vor fünf Jahren mit dem Porträt des Komponisten und Bieler Kulturpreisträgers Urs Peter Schneider.
Regisseur Urs Graf nannte seine filmische Auseinandersetzung „36 Existenzen“ und zeigte den menschlichen Zwiespalt des Musikschaffenden: Die Sehnsucht nach etwas jenseits all dessen, was uns vorstellbar erscheint und der Wunsch nach einer letztendlichen Kontrolle unseres Tuns.
Allererste Ahnungen
Zwei Jahre später folgte das Porträt des Komponisten Jürg Frey („Unhörbare Zeit“). Nun ist Urs Graf in den Jura nach Cormoret gefahren und hat sich mit der in Zürich geborenen Annette Schmucki (1968) getroffen.
Dort lebt die Künstlerin seit fünf Jahren mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Während zwei Jahren ist Graf Schmucki „ins Unbekannte der Musik“ gefolgt, hat Schmucki beobachtet, begleitet, befragt.
Die allerersten Ahnungen eines Stückes sind zu erleben, der weite Weg der Komposition bis hin zur Uraufführung. „Ich wünsche mir, dass diejenigen, die beim Zuhören vielleicht etwas befremdet, etwas irritiert sind, sich ob ihres eigenen Erstauntseins freuen können“, sagt Schmucki im Vorfeld der Aufführung. Gleichzeitig ist der Film von Urs Graf auch ein Porträt des Dorfes Cormoret im Vallon St.Imier.
Und wieder der Zwiespalt
„Der Hintergrund für mich, mein Komponistin-Sein ist, dass ich da meine ganze Aufmerksamkeit hinein gebe und meinen Willen – alles – und trotzdem merke, ich kann nie all das kontrollieren und es ist immer noch viel mehr und viel anderes als ich selber bin“, sagt die Künstlerin einmal und ist dabei wieder ganz nah am Zwiespalt, der bereits im Film über Urs Peter Schneider zur Sprache gekommen ist.
Mit „Annette Schmucki: Hagel und Haut“, der nun an den Filmtagen in Solothurn Premiere feiert, ist die „Komponistentrilogie“ des in Olten geborenen Filmrealisators abgeschlossen.
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